Musikverein Wössingen 1921 e.V

100 Jahre - Teil 1

Die Vorgeschichte…

Bereits vor 1921 wurde der Grundstein für unseren heutigen Verein gelegt. Im Jahr 1908 fanden sich sechs musikbegeisterte junge Männer im „Lammsaal“ zusammen um gemeinsam zu üben. Damals jedoch nicht nur auf Blasinstrumenten, neben einer Klarinette und Trompete wurde das Ensemble mit Violinen und Kontrabass bereichert. Wer waren diese Herren? August und Wilhelm Bach, August Metzger, August Müller, Karl Sturm und Karl Kohnle – Namen, die auch heute noch in Walzbachtal vertreten sind.

Nach fleißigen und regelmäßigen Proben war das Ensemble mit Tanzmusik in Wössingen und Umgebung unterwegs. Bis der erste Weltkrieg die Musiker dazu zwang, ihre Aktivitäten zu unterbrechen.

100 Jahre - Teil 2

Die Gründungsjahre…

Nachdem der erste Weltkrieg 1918 vorbei war, wurden die musikalischen Aktivitäten 1919 wieder aufgenommen. Man engagierte einen Dirigenten aus Karlsruhe für 12 Reichsmark, den die Musiker aus der eigenen Tasche bezahlen mussten. Die Investition trugen die begeisterten Musiker jedoch gerne, denn bald darauf wurden sie so gut, dass sie Konzerte spielen konnten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich neben einem „Streichorchester“ auch ein reines Blasorchester, das die meiste Zeit nur mit Aushilfen einer Schülerkapelle aus Karlsruhe spielfähig war. 1921 kam es dann zum Zusammenschluss des „alten Musikvereins“ (Streichorchester) und des Blasorchesters, dem „Musikverein Harmonie“. Die Gründungsurkunde ist innerhalb der 100 jahre leider nicht mehr auffindbar, lediglich ein Foto gibt es noch…

100 Jahre - Teil 3

Das Jahr 1921…

Nicht nur der Musikverein wurde in diesem Jahr gegründet. Es gab weitere wichtige Ereignisse:

Das elektrische Licht löste die Öllampen ab und nach und nach wurde die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt. Das Insulin wird entdeckt und Albert Einstein erhält den Physiknobelpreis. Persien wird zu Militärdiktatur und der Irak zum Königreich. Adolf Hitler wird Vorsitzender der NSDAP. In Dublin kommt es zu heftigen Straßenkämpfen, da die Stadt von britischen Truppen besetzt wird. Im Sport protestieren Frauen aus vier Ländern mit einer Frauen-Olympiade gegen den IOC. Das erste Autorennen findet auf der 10 Km langen Autobahn in Berlin satt und der Turnverein Wössingen feiert sein 25. Jubiläum. Musikalischer Hit in diesem Jahr ist der Schlager „Komm mein Schatz, wir trinken Likörchen“

In Wössingen findet 1921 die Glockenweihe statt, damals unter Bürgermeister Adam Heinrich Wagner. Der Ort zählt 1750 Einwohner und ist „noch unabhängig“ von Jöhlingen. 

100 Jahre - Teil 4

Die Jahre bis 1933…

In den 20er Jahren zählte der Verein nur wenige passive Mitglieder, die den Verein finanziell unterstützen. Aus diesem Grund brachten die Musiker damals neben ihrem musikalischen Engagement vor allem große finanzielle Opfer, um den Verein aufrecht zu erhalten. So konnten sie die Lebensfähigkeit des Vereins halten, der ortseigene Konkurrenz durch den Musikverein „Lyra“ hatte. 1933 gab es eine Parteiverfügung, die die „Lyra“ zwang, sich mit dem größeren Musikverein „Harmonie“ zusammenzuschließen. Der Verein blieb auch während der ersten Kriegsjahre bestehen bis er 1942 aufgelöst wurde. Die Kasse und verschiedene Instrumente wurden beschlagnahmt.

100 Jahre - Teil 5

Der Krieg war vorbei…

Am 13. November 1949 fand die Wiedergründung durch einige alte Musiker im Gasthaus „Zum Adler“ statt. (Ecke Steiner Straße/Wössinger Straße) Anwesend waren 14 Personen, davon zwei Musiker aus Königsbach, die die Kapelle beim Eröffnungsmarsch der Versammlung unterstützten. Der Wiedergründung wurde einstimmig zugestimmt. „Zweck des Vereins ist die Pflege guter Musik zum Wohle der Gesamtheit“, aktive Musiker waren beitragsfrei von passiven Mitgliedern erhob man eine Aufnahmegebühr von 1 DM und einen vierteljährigen Beitrag von 1 DM, also 4 DM im Jahr. Obwohl eine anonyme Spende eines Unbekannten aus der „US-Zone“ beim Verein einging, konnte man sich keinen Dirigenten leisten. Daher fanden die wöchentlichen Proben im „Adler“ unter der Leitung des Musikers Heinrich Wagner statt. Geprobt wurde für ein gemeinsames Konzert mit den Musikkameraden aus Königsbach, das Geld in die Vereinskasse bringen sollte. Jeder Musiker erhielt 50 (!) Eintrittskarten, die in der Bevölkerung verkauft werden mussten. (Ich finde das sollten wir wieder einführen…)

100 Jahre - Teil 6

30. Jubiläum des Vereins…

1950 wurde erstmals Tanzmusik am Ostermontag angeboten und ein „Gartenfest“ im Juni geplant. Das erste Jubiläum stand bevor: vom 09.-11. Juni 1951 sollte ein großes Jubiläumsfest stattfinden zu dem 53 Kapellen eingeladen wurden. Leider hatten bis Februar 1951 nur 5 Vereine zugesagt und es war noch nicht sicher, ob tatsächlich ein Festzelt bestellt werden sollte und ein Festbuch in den Druck gehen sollte. Die Vergnügungsstände auf dem Festplatz (Süßigkeiten, Karussell etc.) wurden an den Höchstbietenden versteigert. Da im März bereits 11 Vereine zum Jubiläumsfest zugesagt hatten, wurde nach Abwägung der Finanzen ein 1000-Mann-Zelt für 650 DM Leihgebühr bestellt. Mit der Brauerei wurde ein Deal gemacht: kostenlose Lieferung des Zeltes und kostenlose Sitzgelegenheiten für 1000 Personen – im Gegenzug wurde das Eppingen Bier der „Brauerei Zorn-Söhne“ beim Fest verkauft. Erst im Mai 1951 wurde das Fest endgültig in trockene Tücher gelegt und organisatorisch gefestigt. Das Personal für Bier- und Weinausschank, sowie die Grillmeister wurden festgelegt, die Schießbude wurde selbst errichtet und betreut. Der Preis für das Festbuch wurde auf 50 Pfennige, der Krug Bier auf 60 Pfennige festgelegt. Außerdem wurde für den Sonntag von 14-18 Uhr ein Eintrittspreis ins Zelt auf 30 Pfennige erhoben, da zu dieser Zeit Tanzmusik geboten wurde. Alles in allem eine sehr spontane Planung, denn auch drei Wochen vor dem großen Fest waren noch viele organisatorische Themen wie Beleuchtung, Bühne oder Blumenschmuck noch nicht geklärt. Deshalb versammelte sich der Festausschuss nun wöchentlich. Es wurde sehr viel in Eigenleistung erbracht, da Handwerker /Material zu teuer für den Verein waren, so wurde beispielsweise die Bühne von Mitglied Helmut Gauß selbst gebaut.

100 Jahre - Teil 7

Das Festwochenende

Vom 9.-11. Juni war es dann so weit: Das große Festwochenende zum 30. Jubiläum wurde gefeiert und der „ganze Ort war auf den Beinen“. Die Häuser wurden aufwendig geschmückt und das Festzelt stand für 1.000 Besucher bereit. Am Abend wurde das Festbankett musikalisch durch die „Harmonie“ eröffnet, gefolgt von lobenden Reden des Bürgermeisters und Verbandspräsidenten. Besonders bewundert wurde, dass der kleinste Verein das größte Fest ausrichtet, das in Wössingen je veranstaltet wurde. Das macht schon stolz – und das feierte man bis in die frühen Morgenstunden, begleitet von Musik befreundeter Vereine und den Turneinlagen der Wössinger Turnerinnen. Am Sonntag zog der große Weckruf um 6 Uhr morgens (!) durch Wössingen, der zum gemeinsamen Kirchgang aufrief. Der große Festumzug am Nachmittag fand rege Beteiligung, neben zehn Musikkapellen und Wössinger Vereinsgruppen war sogar eine Reiterschaft mit sieben Pferden mit von der Partie. Am Montag fand für die Schulkinder ein Kinderumzug statt. Im Anschluss wurden die Kinder mit Brezeln belohnt, die von Bäcker Fesenbeck (nach Bereitstellung des Mehls) gestiftet wurden. Alles in allem ein gelungenes Fest, auch wenn es bei der Planung drunter und drüber ging. Immerhin konnte für die Zukunft des Vereins ein ordentliches finanzielles Polster geschaffen werden. Leider gab es auch damals schon weniger ehrliche Bürger und der Diebstahl eines Kastenwagens musste dem Eigentümer aus dem Gewinn ersetzt werden.

100 Jahre - Teil 8

Der Bruch…

Immer wieder in der Vereinsgeschichte gab es Auseinandersetzungen. Kurz nach dem Jubiläumsfest entschloss man sich den Kontakt zu den Königsbacher Musikkameraden abzubrechen. Sicherlich hatte Königsbach einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Harmonie Wössingen, wäre sie doch ohne deren Unterstützung und Dirigent anfangs überhaupt nicht spielfähig gewesen. Doch am 1.Juli 1951 bei einem Auftritt in Grötzingen „benahm sich die Bruderkapelle Königsbach mitsamt ihrem Dirigenten so skandalös gegenüber den Wössinger Musikern, dass mit großer Empörung beschlossen wurde, die Königsbacher Kapelle nicht mehr zu unterstützen“ (Originalzitat Protokollbuch). Schade, dass in offiziellen Berichten die meist interessanten Hintergründe nicht beschrieben werden… jedoch zog der Streit einen Brief nach sich indem die Königsbacher einige finanzielle Forderungen für Leihgaben und angebliche Schäden stellte. Nun musste man sich also einen neuen Dirigenten suchen den man mit Herrn Rückert aus Rüppur fand, der jedoch nicht lange blieb.

100 Jahre - Teil 9

Die 50 er Jahre… Teil 1

Der Verein war in den Jahren sehr aktiv. Es wurden Konzerte und Tanzmusik veranstaltet, das erste Gartenfest in der Bruchstraße und das erste Herbstfest im „Ochsen“ fand statt. Die Kapelle beteiligte sich an den Festen der befreundeten Musikkapellen, auch bei örtlichen Begebenheiten war die musikalische Unterhaltung der „Harmonie“ stets beliebt. Bei der Eröffnung des FV04-Clubhauses und deren Sportfestes, beim Gartenfest des Männerchors Wössingen und beim Kirchweihtanz im Turnerheim waren die Musiker immer herzlich willkommen und spielten zur Unterhaltung bis in die frühen Morgenstunden. Aufgrund mangelnden Inhalts in der Vereinskasse wurden viele Feste und Theaterabende veranstaltet, um die nötigen Anschaffungen finanzieren zu können. Für die Mitglieder wurden Ständchen zu Hochzeiten und Geburtstagen gespielt und Spätheimkehrer aus dem Krieg wurden musikalisch empfangen, wie z.B. Josef Wiltschko am 2. Januar 1954. Der Verein leistete sich weitere Instrumente, die damals im Besitz des Vereins blieben und den Musikern kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Um ein einheitliches Erscheinungsbild der Kapelle zu erhalten, wurden Hemden genäht und Mützen gekauft. Seit 1949 hatte sich die Mitgliederzahl von 21 Mitgliedern auf über 80 Mitglieder erhöht, was dem enormen Engagement des Verwaltungsrates zu verdanken war. Die „Harmonie“ organisierte sich mehr und mehr als Verein: eine Satzung wurde aufgesetzt, um die Eintragung ins Vereinsregister zu ermöglichen und die ersten Mitgliederlisten wurden erstellt. Bei der Generalversammlung 1954 gab es Streitigkeiten zwischen der Verwaltung und den aktiven Musikern, so dass die komplette Kapelle die Versammlung verlassen hatte und nicht an den Neuwahlen teilnahm. 1955 wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung ein „Schlussstrich unter die Streitigkeiten“ gemacht, die Wahlen der komplett neuen Verwaltung wurden von den Aktiven anerkannt und sie gaben bekannt, dass sie dem Verein als aktive Musiker weiterhin treu bleiben werden.

100 Jahre - Teil 10

Aus 1 wird 2… und wieder 1

Die Streitigkeiten zogen sich fort… Nachdem mehrere Mitglieder zu einer Aussprache aufgefordert wurden und dieser nicht nachkamen, wurden sie aus dem Verein ausgeschlossen, weil sie „gegen den Verein arbeiten“. Hier bezog man das Handeln erstmals auf die 1954 verfasste Vereinssatzung. Es rumorte weiter und die ausgeschlossenen Musiker machten ihre eigene „Bürgermusik“. Bereits 1956 bemühte man sich, auch mit Hilfe des Männergesangvereins, die beiden Kapellen „Harmonie“ und „Bürgermusik“ wieder zu vereinen. Gemeinsame Proben für das Fest des Gesangvereins sollten stattfinden, eine Verhandlungskommission wurde gegründet, die die Gespräche mit der „Bürgermusik“ führen sollte. Da die „Harmonie“ beschlossen hatte bei einem Zusammenschluss der beiden Kapellen auf den Namen „Harmonie“ zu bestehen, eskalierte die Aussprache beider Parteien am 16.Mai 1956 bereits zu Beginn. Nur durch die schlichtenden Worte und die Ermahnung des Verhandlungsleiters Gustav Hermann auf Kompromisse eingehen zu müssen, einigte man sich auf den Namen „Musikverein Wössingen“. Es wurde beschlossen, die Ehrenmitglieder beider Vereine im neuen Verein zu vereinen, die Vereinskassen zusammenzulegen und die Verwaltung neu zu wählen. Schriftführer Richard Ehrenfeuchter schreibt im Protokoll dieser Aussprache: „Damit dürfte die letzte Eintragung in das Protokollbuch des Musikverein „Harmonie“ getätigt sein. Ein Stück Vereinsgeschichte, das in den vergangenen Jahren (…) nicht immer harmonisch war gehört der Vergangenheit an.“

100 Jahre - Teil 11

Die 50 er Jahre… Teil 2

Der Musikverein blieb weiter aktiv mit neuen Veranstaltungen. Ein Kappenabend an Fasching fand statt, eine Reise nach Zell am See wurde unternommen. 1959 kam sogar der Süddeutsche Rundfunk um die Kapelle für den Bericht „Mit Volksmusik durch das Heimatland“ aufzunehmen. Grund genug um bei der Gemeinde Wössingen nach Unterstützung zu fragen, denn schließlich wurde nicht nur die Kapelle sondern auch die Gemeinde durch das Fernsehen bekannt und in ein gutes Licht gerückt. Nachdem man 1949 zum einzigen Mal eine Förderung von 150 DM erhalten hatte, stellte man nach zehn Jahren erneut einen Antrag auf Förderung um Instrumente zu beschaffen und die die Jugend für die Blasmusik zu begeistern. Naja – abgelehnt… war wohl früher schon schwierig.

100 Jahre - Teil 12

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